SCHWEIZER MUSIKZEITUNG, 13. Februar 2020, von Simon Bittermann

Schweizer Erstaufführung von Ammanns «Missa ‹Defensor Pacis›» Die Basler Madrigalisten heben einen in Vergessenheit geratenen Schatz des Schweizer Komponisten Benno Ammann.

[…] Ammanns Missa «Defensor Pacis» ad 6–12 voces inaequales ist ein eindrückliches Werk, das den Vergleich mit [Frank] Martin nicht zu scheuen braucht. An die Flämische Renaissance und den Palestrina-Stil gemahnend, bewegt es sich im tonalen respektive modalen Raum, lässt seine Modernität im Kyrie und Gloria lediglich in gelegentlichen Dissonanzen aufblitzen. Trotz aller komplexer Linearität fügen sich die Stimmen aber immer wieder zu modern wirkenden Klangflächen zusammen. Ab der Mitte des Werks, dem Offertorium, dem Gebet des heiligen Niklaus von Flüe, ändert dann der Tonfall. Was zuvor stellenweise noch streng gestaltet daherkam, wird plötzlich eingängig, sinnlicher. Beinahe mythische Klänge bestimmen jetzt das Werk. Einzelne Stimmen erheben sich wie Anrufungen aus dem Ganzen und lassen das Individuum hervortreten. Besonders das Agnus Dei mit seiner das Werk beschliessenden, eindringlichen, Ruhe und Frieden ausstrahlenden Dona-nobis-pacem-Beschwörung, liess einen bewegt zurück.

Die starke Wirkung war auch der Leistung der Basler Madrigalisten zu verdanken. Sie bewältigten die schwierige, mit vielen heiklen Einsätzen gespickte Partitur souverän in Rhythmik und Intonation, blieben auch in der Vielstimmigkeit klar durchhörbar und verständlich. […]

Die zweite Einführung des Abends galt eigentlich dem Werk des 1822 in Lachen geborenen Komponisten Joachim Raff, von dem unter anderem ein [Kyrie-Gloria-]Fragment uraufgeführt wurde. […]

Die Basler Madrigalisten nehmen nächstes Jahr nicht nur eine CD- Produktion von Ammanns Messe in Angriff, bei den Hug Musikverlagen wird sie zudem auch neu aufgelegt und somit anderen Chören zugänglich gemacht. Es wäre schön, wenn diese Initiative eines Spitzenensembles dem Werk tatsächlich zu mehr Breitenwirkung verhelfen würde. […]

LUZERNER ZEITUNG, ST. GALLER TAGBLATT, LIMMATALER ZEITUNG, AARGAUER ZEITUNG, SOLTHURNER ZEITUNG, GRENCHNER TAGBLATT, 14. Oktober 2019, von Elisabeth Feller

«Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» am Opernhaus Zürich: Mit den Ohren sehen, mit den Augen hören

Helmut Lachenmann hat von einem Wahrnehmungsabenteuer gesprochen – und ein solches ist «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» in Zürich zweifellos. Man kann die Leistung der überall im Opernhaus positionierten Philharmonia Zürich, der Basler Madrigalisten sowie der Sopranistinnen Alina Adamski und Yuko Kakuta nicht hoch genug veranschlagen. Ein Glücksfall ist der Dirigent Matthias Hermann, dessen Verbundenheit mit Lachenmanns Werk auf eine Weise spürbar wird, wie man sie selten erlebt.

AZIONE, November 2019, von Marinella Polli

Non è una fiaba di Natale
Balletto All'Opernhaus di Zurigo in prima svizzera «La piccola fiammiferaia» di Christian Spuck sull'omonima «musica con immagini» di Helmut Lachenmann

Grande prestazione ache quella della Philarmonia Zürich diretta da Mathhias Hermann, dei Basler Madrigalisten e dei soprano Alina Adamski e Yuko Kakuta, alcuni in scena altri nel pubblico. Tutti sono in grado di esprimere la tensione e la raffinata ricerca timbrica della partitura.

DANCING TIMES, Januar 2020, von Jeannette Andersen

The Little Match Girl
Zürich Ballet, Zürich Opera House

The choir, the Basler Madrigalisten, and members of the Philharmonia Zürich, were placed in the boxes of the dress circle, an bathed in soft light during the entire performance - it was difficult not to watch them when they were making such unusual sounds.

BACHTRACK, 14. Oktober 2019, von Sarah Batschelet

Down with bourgeoise indifference: a new ballet in Zurich

Without exception, too, the vocalists were excellent. Seated on stage, soloists Alina Adamski and Yuko Kakuta mastered the demands of changing tempi, unusual intervals and fragmented text. They, in turn, were supported by the fine vocal configuration of the Basler Madrigalisten, and under Matthias Hermann, the Philharmonia Zürich underpinned the whole, never faltering in the face of the challenge.

DAS OPERNMAGAGZIN, 15. Oktober 2019

Ballett Zürich: «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» – Suche nach Wärme

Wohl kaum zu ahnen, was für eine spannende und herausfordernde Probenarbeit hier geleistet wurde. Besonders erwähnen muss man die beiden Sopranistinnen ALINA ADAMSKI und YUKO KAKUTA, welche ihre schwierigen Partien virtuos meisterten.Die Flexibilität der BASLER MADRIGALISTEN unter der Leitung von RAPHAEL IMMOOS war ebenfalls sehr gefordert und boten eine sehr eindrückliche Leistung.

MUSIK & THEATER, Januar 2020, von Reinmar Wagner

Die Furcht vor dem Illustrieren
Zürich: Christian Spuck choreografiert Lachenmanns: «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern»

Matthias Hermann am Dirigentenpult hat Erfahrungen mit dem Werk Lachenmanns und schafft es, die im ganzen Raum verteilten Musiker und die Chorsänger der Basler Madrigalisten nicht nur zusammenzuhalten, sondern die sphärischen Klangwelten, die Lachenmann für dieses Stück vorschwebten, mit staunenswertem Resultat zu verwirklichen.

SCHWÄBISCHE ZEITUNG, 15. Oktober 2019, von Katharina von Glasenapp

Ballett: «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» in Zürich

Auch wenn Lachenmanns Stil inzwischen prägend und nicht mehr provozierend ist, bleibt das „Mädchen“ bei der Schweizer Erstaufführung eine Hörschulung für offene Ohren: Da gibt es das feine Knistern, wenn Styroporteilchen aneinander gerieben werden. Da gibt es den Atemhauch, das Schnattern. Kälte wird hörbar gemacht. Die „Musik mit Bildern“ wird zum Klangtheater in einem umlaufenden Raumklang, die erfahrenen Basler Madrigalisten (Einstudierung Raphael Immoos) singen von den Proszeniumslogen und den Rängen aus.

TANZ, November 2019, von Harmut Regitz

Choreografische Uraufführung beim Ballett Zürich: Christian Spuck adaptiert «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» von Helmut Lachenmann

Bis hoch in die obersten Ränge hat Matthias Hermann die Philharmonia Zürich über das ganze Haus verteilt. Die Basler Madrigalisten agieren aus den Logen. Bewundernswert, wie der Dirigent dennoch alle Sinneseindrücke auf die Bühne fokussiert.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 15. Oktober 2019, von Dorion Weickmann

Faszinierendes Tanzoratorium: Helmut Lachenmanns «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» wird in Zürich zur politisch Parabel

Die Tänzer, die Musiker, der Dirigent Matthias Hermann, die Sängerinnen Alina Adamski und Yuko Kakuta sowie die Basler Madrigalisten haben das Beste erreicht: ein Tanzoratorium, das seinesgleichen derzeit nicht hat.

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, 14. Oktober 2019, von Eleonore Büning

Musikalische Kargheit, in bestechende Bilder gefasst – «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» am Zürcher Opernhaus

Phantastisch agieren die Basler Madrigalisten, aber auch die Solistinnen Alina Adamski und Yuko Kakuta. deren Sopranpartien miteinander und mit dem Blech zu irisierenden Klängen verschmelzen.

TAGES ANZEIGER, DER BUND, BERNER ZEITUNG, ZÜRICHSEE ZEITUNG, 14. Oktober 2019, von Nina Scheu

Mit den Ohren sehen
«Das Mädchen mit den Schwefelhölzern». Eine beglückende Sinneserfahrung am Opernhaus.

Noch nie hat jemand das 1997 in Hamburg uraufgeführte Stück in Tanz umgesetzt. Dabei ist das, was man zu hören bekommt, überaus bildhaft: Beissende Winde, knirschender Schnee und knarzende Kälte dringen aus den Instrumenten der Philharmonia Zürich und aus den Kehlen der Basler Madrigalisten, die sich des komplizierten Werks auf der musikalischen Ebene angenommen haben.

SCHWEIZER MUSIKZEITUNG, 16. Juni 2017, von Niklaus Rüegg

Die Schweizer Chorliteratur des beginnenden 20. Jahrhunderts ist reichhaltig und noch immer wenig beachtet. Die Basler Madrigalisten bringen dieses Erbe wieder aufs Podium.

Die Basler Gesangsinstitution «Madrigalisten» [...] feiert im nächsten Jahr ihr vierzigjähriges Bestehen. Geplant ist unter anderem eine Jubiläums‐CD mit dem oben besprochenen, zauberhaften Schweizer Liederschatz, dessen Wiederentdeckung dem Kammerensemble und ihrem Dirigenten hoch angerechnet werden darf. Die Gesangskultur der Basler Madrigalisten zeichnet sich aus durch gute Textverständlichkeit, grosse dynamische Bandbreite und überzeugende Intonationssicherheit. Damit wurde das Ensemble an diesem Abend den anspruchsvollen Werken vollends gerecht.

LUZERNER ZEITUNG, 20. Februar 2017, von Fritz Schaub.

Thüring Bräms faszinierende Klanglandschaften

«Musik drückt sich in der Zeit aus, ich möchte sie Raum werden lassen.» So lautet ein Leitsatz Thüring Bräms (72) [...]. Vollkommen zum Raum wurde die Musik, als sich der Chor im letzten Lied «Si fa notte» («Die Nacht kommt») teilte und eine Hälfte sich auf der Orgelempore aufstellte. Ganz zu eigen machten sich diese Musik auch die hervorragenden Basler Madrigalisten, die sowohl in intonatorischer wie klanglicher und rhythmischer Hinsicht überzeugten.[...]

«Ich bin stolz, Schweizer zu sein, weil auf dem kleinen Raum eine solche kulturelle und sprachliche Vielfalt möglich ist», meinte der frühere Direktor des Konservatoriums und Gründungsrektor der Musikhochschule Luzern. Dass es ihm die kulturelle Minderheit angetan hat, zeigte auch die Uraufführung des im Auftrag der Basler Madrigalisten entstandenen Gesangszyklus «Our da sumbrivas lungas» («... die ihre langen Schatten auf uns wirft») für sechs Solostimmen mit fünf romanischen Gedichten von Rut Plouda. Wieder griff Bräm auf romanische Texte und auf die Region zurück, die ihm seit den Kindertagen ans Herz gewachsen ist: Graubünden. Thüring Bräm bleibt sich in diesem Gesangszyklus treu und schuf auch hier Klangbilder, die der Textvorlage in hohem Masse gerecht werden.

 

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, 19. August 2016, von Jörg Huber.

Appenzeller Bachtage – Bach im Land der Bäche

Sinn und Sinnlichkeit kommen bei den Basler Madrigalisten aufs Schönste zusammen.

Horizonterweiterungen

Zum Ereignis aber wird…«Come, Holy Ghost» des 2012 verstorbenen Briten Jonathan Harvey. Welchen Zauber entfalten diese acht komponierten Minuten aus dem Jahr 1984 mit ihren raffinierten Klangschattierungen und Echoeffekten – und wie beeindruckend lassen die Madrigalisten ihre Kehlen leuchten: «This may be our endless song», heisst es in einer Liedzeile sinnig.

ST. GALLER TAGBLATT, 19. August 2016, von Martin Preisser.

Notker hätte einfach nur gestaunt

Das Eröffnungskonzert der Appenzeller Bachtage spannte den Bogen von Musik des St. Galler Mönchs Notker Balbulus bis zur Moderne. In der Kathedrale wurde das Thema Choral vor und nach Bach meisterhaft präsentiert.

Kompromisslose Qualität

Die Basler Madrigalisten unter ihrem Dirigenten Raphael Immoos eroberten sich hervorragend disponiert und spürbar ergriffen den Dom. Ihnen gelang es, die so unterschiedlichen Stile und Anforderungen von mehr als einem Jahrtausend Musikgeschichte, teils hochkomplexe und enigmatische Musik, konzentriert und mitreissend zu präsentieren.

BADISCHE ZEITUNG, 16. August 2016, von Roswitha Frey.

Eine geistvolle Zeitreise

Wunderbar transparent in der Durchzeichnung der Stimmen, lupenrein in der Intonation und sehr plastisch durchhörbar in der Wortausdeutung brachten die Madrigalisten den Zuhörern diese kunstvolle frühe Vokalpolyphonie nahe.

Eindringlich und farbenreich im Vokalklang, in Melos und Wortdeklamation und ebenso farbig-expressiv im Orgelspiel klang diese Pfingst-Komposition des Klangfarbenmalers Eben.

Ihre herausragende Vokalkunst entfalteten die Madrigalisten auch in der Motette "Der Geist hilft unser Schwachheit auf" für zwei Chöre von Johann Sebastian Bach. Bewegt und dynamisch, dabei stets kristallklar ausgehorcht, sangen sie diese Bach-Motette. Beeindruckend und erhebend im Klang war auch die Interpretation von Bachs "Komm Schöpfer, Heiliger Geist" aus den Leipziger Chorälen.

Doch nicht nur in den Bachschen Choral-Werken imponierte der so erfüllte wie klar durchleuchtete Gesang der Madrigalisten und das zupackend virtuose, gestalterisch meisterhafte Orgelspiel von Johannes Lang.

Ein Höhepunkt des Konzerts waren drei Chöre von Reger, "Trost", "Zur Nacht" und "Abendlied"...Die Madrigalisten und Johannes Lang führten diese Chorschöpfungen erstmals in einer Fassung für Chor und Orgel auf. Regers komplexe Klangsprache und Harmonik kamen in dieser Fassung aufs Eindrücklichste zur Wirkung: Abgedunkelt in den Klangfarben, dynamisch höchst differenziert gesungen und gespielt, geheimnisvoll durchdrungen und schwebend in den Klangwirkungen, auch spätromantisch verklärt und lyrisch im "Abendlied" - ein Reger-Gesang von großer Empfindungstiefe.

...Regers Nachtlied "Die Nacht ist kommen", hauchzart, leise und subtil gesungen in feinsten dynamischen Schattierungen, voller entrückter Poesie.